Burnout: Warum ‚ein Ruhetag‘ oft nichts bringt Teil I

Als ich heute Morgen mal geschaut habe, wie die Tipps-Seite auf Google erscheint, habe ich mir auch andere Seiten angeschaut, die ebenfalls Tipps gegen Burnout parat haben (sollen). Bei einer Seite habe ich mir bereits bei der Definition des Burnout-Syndroms ungläubig an den Kopf gefasst. Da steht:

Das Burn-Out-Syndrom ist ein Sammelbegriff. Er beschreibt lediglich das Gefühl, das die meisten Menschen mit schweren Depressionen, chronischen Schlafproblemen, Angststörungen oder Stress eint: ein Gefühl von völliger, innerer Leere und Antriebslosigkeit.

Diese Definition klingt sehr verniedlichend und packt einfach mal alle in einen Topf, denen scheinbar irgendwie nicht zu helfen ist. Das dies nicht der Fall ist, erlebe ich in der täglichen Praxis immer wieder.

Weiter heißt es nun:

Damit es aber gar nicht erst soweit kommt, sollten Sie ein paar wichtige Tipps beachten.

Die nun folgenden vier ersten Tipps beziehen sich darauf, mit den eigenen Kräften besser zu haushalten, regelmäßig Pausen einzulegen, ungesunde Substanzen zu meiden usw. Durchaus sinnvoll, aber ich fasse sie mal zusammen zu (und diese Tipps findet man auch regemäßig auf den anderen Seiten):

‚Hör einfach auf so viel zu arbeiten (zu leisten) und ernähr dich gesund!‘

Wenn das der Schlüssel gegen Burnout ist, warum reicht es dann oft nicht aus, ein, zwei oder drei Wochen auszusteigen? Oder sich sogar längere Zeit ‚krankschreiben zu lassen‘  und es verändert sich trotzdem nichts? Sicher haben viele Betroffene genau diese Erfahrung gemacht und gemerkt, dass das nicht der ultimative Schlüssel im ‚Kampf‘ gegen Burnout ist, denn das ’sich selbst Grenzen setzen‘, funktioniert nicht oder die Probleme werden dadurch keineswegs besser.

Der nächste Tipp besagt (auch auf weiteren Seiten zu finden):

‚Vernachlässige auf keinen Fall Familie, Freunde oder Hobbies!‘

Dieser Tipp mag bei Gesunden oder bei leicht Gefährdeten oder Gestressten gut funktionieren.

Wenn man allerdings die (neurobiologischen) Prozesse kennt, die im Verlauf des Burnout-Prozesses (oder einer erhöhten, fortschreitenden Stressexposition) auftreten, dann müsste man wissen, dass diese Strategie ab einer gewissen Stufe ebenfalls versagen MUSS, eher kontraproduktiv ist und der Rückzug Betroffener eine ganz normale und vor allem erst einmal sinnvolle Folge ist. Warum dies gar nicht funktionieren kann, erläutere ich meinen Seminarteilnehmern und Klienten immer wieder ausfühlich. Und Gefühle von Leere, Antriebslosigkeit oder Lähmung oder damit einhergehende Depressionen sind damit der Ausdruck eines langen Leidensweges und nicht Ausdruck einer verniedlichten, neurotischen Anwandlung Betroffener oder eines ‚ich habe einfach grad mal kein Bock‘. Hier wird auf vielen Seiten Missverständliches vermittelt.

Die letzten drei Tipps auf dieser Seite sind dann endlich sinnvoller: Reflexion der eigenen Lage und Hilfe suchen und vor allem: Hilfe annehmen!

Und dazu ist professionelle Unterstützung in jedem Fall sehr sinnvoll.

In Folgeartikel werde ich nochmal aufgreifen, warum ein Ruhetag als Erstmaßnahme eher schädlich als förderlich ist.

©Nicole Teschner – 2013

Bild: ©Robert Mobley photoxpess.com

(obige Tipps und Definition gefunden auf:  rtl.de/cms/ratgeber/tipps-gegen-das-burn-out-syndrom-d8df-6e0f-99-112012.html)

Der kleine Alltagsoptimist

HedgehogWir haben täglich viele Dinge, für die wir dankbar sein können. Sie glauben mir nicht?

Sie können laufen? Was wäre, wenn sie es plötzlich nicht mehr könnten?

Sie können atmen? Was wäre, wenn sie es nicht mehr könnten?

Sie können den Text lesen? Wie wäre es, wenn sie es nicht mehr könnten?relocine nschet

Vielleicht werden sie jetzt sagen: ‚ja, aber das ist doch normal! Das können doch viele…warum sollte ich dafür dankbar sein?“

Ich kann Ihnen diese Frage schnell beantworten:

Fragen Sie doch mal einen Gelähmten, ob Laufen normal ist? Und fragen Sie jemanden, der nur noch sehr schlecht Luft bekommt, ob es normal ist zu atmen? Oder den Blinden, wie gerne er ihnen nun über die Schulter schauen würde, um den Text zu lesen? Wie normal wäre es dann für sie, was wir täglich alles genießen können?relocine nschet

Wir alle vergessen dankbar zu sein und uns darüber zu freuen, was bereits gut (normal?) ist. Erst wenn es plötzlich nicht mehr ’normal‘ ist, wird uns bewusst, wie gut wir es hatten. Und auch wenn es gerade schwierig ist und nicht so läuft, wie wir es uns wünschen würden: wieviel haben wir trotzdem, das gut für uns ist, was uns gut tun kann, worauf wir einfach nur mehr bewusst achten müssten, um unser Gehirn in eine andere Balance zu bringen – jeden Tag?

Jede Emotion hat einen Einfluss auf unseren Körper. Positive beeinflussen den Körper und das Wohlbefinden positiv – negative eben negativ. D.h. allein durch die Veränderung des Blickwinkels können Sie sich sehr viel positiver stimmen und längerfristig Ihr Körpergefühl damit verbessern.

Resiliente Menschen haben die Fähigkeit realistisch optimistisch in die Welt zu blicken. Diese Fähigkeit ist eine der Fähigkeit, die benötigt werden, um selbst resilienter zu werden. Dies ist eine Fähigkeit, die Sie in einem Resilienztraining erlernen können.

©Nicole Teschner – 2012