Auszug aus meinem neuen Projekt: „Fein mit NEIN! Das Buch zum Neinsagen – Schluss mit Dauer-Jasagen“

Nicht-Nein sagen können und sich nicht abgrenzen zu können ist immer noch einer der großen „Volkskrankheiten“ hinter Stress, Burnout, Erschöpfung und Überlastung.

Weil dieses Thema so wichtig ist, gibt es dazu demnächst von mir „Fein mit NEIN! – Das Buch zum Nein sagen“. Momentan arbeite ich fleißig daran und es ist auch schon sehr weit gediehen.

Da ich wie immer tief in das Muster und vor allem in die Ursachensuche gehe, um diese aufzulösen, wird dies erneut ein Buch, das wirkt. Lassen Sie sich überraschen, wenn ich Sie damit demnächst erfolgreich an die Hand nehmen werde und zum Neinsagen-Profi ausbaue! Ich freue mich darauf!

Klappentext:

Viele Menschen haben ein großes Problem damit, an sinnvollen Stellen ihres Lebens Nein zu sagen. Selbst bei ungesunden Anforderungen und starker Überlastung sind sie in einer Dauer-Jasagen-Schleife gefangen, weil verschiedenste Gründe verhindern, dass ein Nein über Ihre Lippen kommt. Auf Dauer ist das jedoch ungesund und dazu überaus anstrengend.

Doch immerzu Jasagen muss nicht sein:

Dieses Buch zeigt Ihnen, warum Sie immer wieder Ja sagen müssen und hilft Ihnen, dies abzustellen. Zusätzlich gibt es Ihnen erfolgreiche Techniken zum Neinsagen an die Hand, um bald zum Neinsagen-Profi zu werden. Am Ende erhalten Sie Ihre Wahlfreiheit zurück und können bald ganz nach Ihren Wünschen selbstbewusst auch Nein sagen.

PS: @mindquieting_daily ist meine Instagramseite, wo ich täglich neue Coachingimpulse gebe

©Nicole Teschner, 2022

Tägliche Coaching-Impulse erhalten Sie auf Instagram oder Facebook – folgen Sie mir gerne!

Kurze Coaching-Impulse und Mindset-Quickies finden Sie nun auch täglich auf der Instagramseite @mindquieting_daily oder auch unter Facebook Nicole Teschner – mind and more. Ich freue mich, wenn Sie das Angebot dort nutzen und mir folgen!

https://www.instagram.com/mindquieting_daily/

https://www.facebook.com/mindquieting/

Antonovsky, das Kohärenzgefühl und die Ursache von Burnout

Der Soziologe Aaron Antonovsky hat ein anderes Prinzip in der Therapie bzw. im Schutz vor Krankheiten entwickelt. Während lange Zeit untersucht wurde, was Kranke krank und wieder gesund macht (die Lehre der Pathogenese), hat er sich dagegen gefragt, was Gesunde denn gesund hält. Und so begründete er durch seine Neugier das neue Feld der Salutogenese.

Antonovsky fand durch seine Studien heraus, dass Menschen immer dann gesund bleiben, wenn Sie ein Kohärenzgefühl in allen Dingen entwickeln, die sie tun und erleben. Dieses setzt sich zusammen aus einem

  • Gefühl von Handhabbarkeit und einem
  • Gefühl von Verstehbarkeit und einem
  • Gefühl der Sinnhaftigkeit.

Sind diese drei Einzelgefühle gegeben, stellt sich das Kohärenzgefühl ein und ein Mensch bleibt trotz seines Tuns gesund.

Wendet man Antonovskys Lehren nun auf einen Burnout an, wo Betroffene den Gesundheitszustand bereits mehr oder weniger stark verlassen haben, kann man sein Prinzip umdrehen und die Ursache(n) hinter dem Burnout (wenn auch erst einmal grob-geclustert) herausfinden. Dazu lässt sich fragen:

  1. Kann ich meine Situation noch handhaben?
  2. Verstehe ich meine Situation noch?
  3. Erlebe ich noch Sinn hinter all dem, was ich tue?

Genauer könnte man z. B. für den beruflichen Bereich fragen:

  • Kann ich das, was ich alles bewerkstelligen soll, noch handhaben? Oder kann ich es nicht (mehr), weil es z.B. viel zu viel (geworden) ist? Ist der Arbeitsaufwand zu hoch? Fühle ich mich mit den Aufgaben, die mir gestellt werden, überfordert? Sind die Vorgaben, die ich bekomme, zu straff und überhöht, sodass ich schon dauerhaft mehr als an meine Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gekommen bin? Bürde ich mir als einzelne Person einfach zu viel auf? Habe ich das Gefühl, dass das, was ich leisten soll, für mich kontrollierbar ist?

Fragen, ob die beruflichen Anforderungen noch verstehbar sind, sind z. B.:

  • Verstehe ich überhaupt noch all das, was ich da tue oder tun muss? Sind die Prozesse so unübersichtlich geworden, sodass ich überhaupt nicht mehr weiß, was ich eigentlich alles erledige, ob ich überhaupt etwas erreicht habe oder jemals erreichen kann? Weiß ich überhaupt noch, mit wem ich es konkret zu tun habe? Kann ich Abläufe und Prozesse noch überblicken? Erscheinen mir Vorgaben wie reine Willkür und Drangsalierung? Wer stellt die Spielregeln auf? Bin ich nur Statist oder kann ich auch selbst gestalten?

Und zuletzt kann auch nach dem gefühlten Sinn hinter dem Tun gefragt werden:

  • Sage ich zu dem, was ich tue, innerlich noch deutlich ‚Ja, ich will‘? Oder ist da eher ein ‚eigentlich will ich gar nicht mehr, aber leider …‘? Habe ich das Gefühl, dass das, was ich tue, meinen eigenen Zielen dienlich ist oder habe ich längst andere Ziele, nur bin ich auf den Job des Geldes wegen angewiesen? Widerspricht meine Arbeit deutlich meinen wahren Bedürfnissen und Neigungen und würde ich viel lieber etwas anderes machen, wenn ich könnte? Weiß ich noch, wozu ich das eigentlich alles mache? Würde der Welt etwas Wichtiges fehlen, wenn ich jetzt meinen Job aufgäbe?

Sich diese Fragen zum eigenen Beruf zu stellen, kann sehr viel für Sie aufdecken. Und wenn Sie bereits in einen Überlastungszustand gekommen sind, werden Sie dadurch erste Ideen bekommen, warum.

Aber auch in jedem anderen Bereich kann man die Handhabbarkeit, die Verstehbarkeit und die Sinnhaftigkeit hinterfragen, um Störfelder aufzuspüren.

Wie wär es denn einmal, wenn Sie die Fragen auf Ihre private Situation anwenden?

©Nicole Teschner – 2022

Wer ist Donald Trump – oder: Wie erkennt man einen Narzissten?

Januar 2021: Donald Trump muss das weiße Haus verlassen. Doch er gibt nicht auf! Sein Ego lässt es nicht zu, diese Schmach über sich ergehen zu lassen. Stattdessen setzt er alle Mittel ein, um nur „nicht schlecht dazustehen“ und stachelt sogar die Massen auf, die ihm nach Möglichkeit doch noch über einen Putsch zur weiteren Macht verhelfen…

(Des?)Potus

Donald Trump ist wohl der berühmteste Narzisst, den die Welt bislang gesehen hat. Und danke, Donald, dass Du Dich als Studienobjekt so öffentlich zur Verfügung gestellt hast und damit die Gefahr so sichtbar gemacht hast:

Denn genauso wie Donald Trump können Ihnen auch andere Narzissten – oft erst unbemerkt – das Leben sehr, sehr schwer machen. Denn wie auch Trump schaffen sie es durch ihre Persönlichkeit fast mühelos und zunächst unter Applaus (!) in wichtige Positionen zu kommen, um dann eines Tages – manchmal nur im kleinen Kreis privat, mitunter im etwas größerem Kreis eines Unternehmens oder tatsächlich als Staatenlenker – ihr Unwesen zu treiben und zur Bedrohung für Sie und andere zu werden.

„Narzissten hinterlassen lebende Leichen“ hatte ich einst schon in einem Post bemerkt. Und das ist leider so. Daher ist es so wichtig, sich aus den Fängen von Narzissten zu befreien oder besser noch: gar nicht erst in ihren Dunstkreis zu kommen!

Doch trotz der massiv schädigenden Auswirkungen, die Narzissmus oft hat, darf man ihn nicht persönlich nehmen. Denn „Narzissmus“, oder genauer die narzisstische PersönlichkeitsSTÖRUNG, gehört zum Spektrum der psychiatrischen Erkrankungen – auch wenn diese Persönlichkeit noch so grandios funktionierend daherkommen mag. Zwischenmenschlich geht von ihr immer eine große Gefahr aus. Denn Narzissten haben keine Skrupel und hinterlassen nicht nur Leichen, sondern Sie gehen auch über Leichen. Daher sollten Sie Ausschau halten und sich schützen, damit SIE NICHT eines Tages Opfer eines Narzissten werden (oder ihn gar zum Staatsoberhaupt wählen…).

Doch wie erkennt man einen Narzissten?

Dazu meine Beschreibung eines klassischen Narzissten aus meinem Buch „Sie müssen kein Perfektionist sein: Fehler kann man auch überleben“ (Kapitel 5.27) – denn treffender geht es nicht:

Das wohl bezeichnende Merkmal ist der Selbstglaube des Narzissten, absolut großartig und daher fehlerfrei zu sein. Mit diesem unerschütterlichen Denken tritt er auf und erwartet wie selbstverständlich, dass alle anderen ihn genauso sehen und ihm huldigen und applaudieren. Er glaubt, dass er sich nie wirklich anzustrengen braucht, da ihm sowieso alles gereicht werden muss. Und falls dies nicht von allein funktioniert, benutzt er andere, um das Gewünschte zu erhalten. Dabei ist die einzige Liebe, die ein Narzisst verspüren kann, die Liebe zu sich selbst. Alle anderen Menschen werden unempathisch gemäß seinen Bedürfnissen installiert und oft nur als Dekoration für seinen Auftritt missbraucht.

Narzissten brauchen die Bewunderung wie die Luft zum Atmen. Daher stehen sie meistens im Mittelpunkt und sorgen dafür, stets das Zentralgestirn der Umgebung zu sein. Dazu haben sie meist große Entertainer-Qualitäten entwickelt und führen witzig, wortgewandt und schlagfertig die Massen. Und auch wenn sie es geschickt anders verkaufen: alles was sie tun, dient nur ihrem Selbstzweck. Wehe dem, der einen Narzissten dabei stört oder ihn bei seinem Treiben entlarvt! Dann wird er alles daransetzen, diesen Menschen seelisch und sozial zu vernichten – und kommunikativ und suggestiv kann ihm dabei keine andere Persönlichkeit das Wasser reichen.

Schneller als eine Maus in einem Mauseloch verschwindet, kann ein Narzisst die Strategie wechseln, um sein aktuelles narzisstisches Bedürfnis befriedigt zu bekommen. Dabei beherrscht er alle Taktiken meisterlich: Blitzschnell kann er zwischen Anklagen, Loben, Locken, Verachten, Ignorieren, Diffamieren, Projizieren, Lügen, Verspotten, Angreifen, Drohen, Erpressen, Einschüchtern, Beschämen, Demütigen, Drangsalieren, Blamieren, Hofieren oder Mobben wechseln, ohne dass Sie den Hauch einer Chance haben, die Manipulation zu bemerken und sich zu wehren. Am Ende schafft er es mit hoher Quote, dass er das bekommt, was er haben wollte und sich sein Gegenüber geschlagen gibt.  

Persönliche Schwächen haben für Narzissten immer nur die anderen. Sie sind überaus neidisch und missgünstig und gönnen anderen nicht einmal das Haar in der Suppe. Narzissten sind sehr eitle Pfauen und ertragen keine anderen Götter neben sich. Daher werden sie diese „Bedrohungen“ auch konsequent verunglimpfen – “oft nur zum Spaß!”. Sie teilen Menschen in zwei Gruppen ein: zu der einen Gruppe gehören die Menschen, die sie bewundern und ihnen als schmückende und selbst-aufwertende Kulisse dienen könnten. Und zu der anderen die, die ihrer Ansicht nach nur zum Erniedrigen oder Dienen taugen. Dazwischen gibt es für Narzissten nichts. Erniedrigungen sind ihr Hobby – welches sie meistens im Stillen oder subtil anwenden, um weiterhin unzweifelhaft glänzen zu können. Sie werten andere unablässig ab, damit sie sich selbst größer fühlen können – denn tief im Inneren haben Narzissten einen Minderwertigkeitskomplex, den sie oft durch das Ducken anderer zu heilen versuchen.

Damit sollten Sie eine Vorstellung bekommen, was Ihnen blühen könnte, wenn Sie erst in den Fängen eines Narzissten gefangen sind. Also hüten Sie sich davor!

Und wer weiß: Mit etwas Glück bekommen wir Donald Trump auch noch in den Griff! …und nein: Die Beschreibung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist keine „fake news“!

Nicole Teschner

copyright, 2021

Burnout heißt NICHT immer automatisch Depression!

WoGi - fotolia
WoGi – fotolia

Ein ‚manager human ressources‘ (Personalchef) sagte einmal zu mir: ‚Ein Burnout…das ist doch eigentlich nur eine verkappte Depression!‘

Ich habe dem Sub-Text dieser Aussage – ‚depressive Mitarbeiter sind tunlichst zu vermeiden!‘ – keine Beachtung geschenkt und stattdessen versucht, Licht in sein Dunkel zu bringen:

  • Richtig ist, dass ein Burnout irgendwann in eine Depression münden kann – und auch wird‚ wenn man den Betreffenden lange genug weitermachen lässt‘ und/oder er ‚lange genug aushält ‘. (Dass und wie es dazu kommt, beschreibe ich demnächst im Artikel ‚Psychische Erkrankungen und das Stresskontinuum‘)
  • Richtig ist auch, dass massive innere und äußere Konflikte oder tief-liegende Traumata Betroffene schneller oder langsamer in einen Burnout führen können – und somit eine larvierte (verdeckte) Depression vorliegen kann, die ein (Mit)Auslöser für die letztendlich auftretende komplette Erschöpfung sein kann.
  • Richtig ist auch, dass Ärzte und Patienten manchmal ‚Burnout‘ als gesellschaftlich besser akzeptierte Schutzdiagnose wählen – was ja auch Sinn macht, wenn man sich den Sub-Text des obig erwähnten Personalchefs mit den drohenden Konsequenzen für sich outende depressive Mitarbeiter noch einmal zu Gemüte führt…

Trotzdem heißt Burnout NICHT immer automatisch Depression!

Denn

  1. gibt es auch andere Ursachen (über eine Depression hinaus), die Menschen in einen Burnout führen können: z.B. stets Anerkennung durch übertriebene Leistung erreichen zu wollen und andere apokalyptische Reiter des Burnout, Mobbing oder wiederholter, nicht zu bewältigender Mikro-Stress, mangelnde Anerkennung durch den Arbeitgeber, stetes Übergangen-werden bei Beförderung etc. Das heißt: wenn ein Mensch einen Burnout hat, kann es zwar sein, dass eine Depression vorliegt, es kann aber auch genauso gut sein, dass er keine Depression hat! Das zu entscheiden möge deswegen Fachleuten vorbehalten sein!
  2. Wenn keine larvierte Depression vorliegt, kommt es erheblich darauf an, wie weit der Burnout-Prozess vorangeschritten ist: wird der Mensch sehr schnell wachgerüttelt oder kommt er selbst frühzeitig an dem Punkt, dass irgendetwas in seinem Leben ‚schief läuft‘, dann muss es nicht bis zu einer Depression oder deutlich einschränkenden Körpersymptomen kommen und eine anschließende Depression oder Panikstörung kann vermieden werden. Entscheidend ist also, an welchem Punkt des Burnout-Prozesses der Betroffene gerade angetroffen wird.
  3. Werden viele Burnout-Patienten (glücklicherweise!) durch den Körper vor dem Abrutschen in die Depression (die dann oft auch noch das eigene Dasein infrage stellt) ausgeknockt: z.B. zwingen Panikattacken sie auszusteigen und zu reflektieren. Auch hier liegt somit noch (!) keine Depression vor und der Patient ist eher hyperaktiv als depressiv gelähmt.
  4. Und selbst wenn eine Depression vorliegt (…um der Stigmatisierung noch einmal entgegen zu wirken): selbst wenn bei einem Menschen im Burnout-Geschehen eine Depression offensichtlich wird, hat er sie sich bestimmt nicht ausgesucht! Eine Depression ist immer (wenn keine tatsächliche oder angenommene körperliche Ursache dahinter steckt) eine Antwort auf das, was dem Menschen, der vor einem sitzt, in der Vergangenheit widerfahren ist oder in der Gegenwart gerade widerfährt – und damit niemals verwerflich und muss auch kein in Stein-gemeißeltes Schicksal á la ‚einmal Depression – immer Depression‘ sein!

…Und schon gar nichts sagt eine Depression über die generelle Leistungsfähigkeit eines Menschen im Arbeitsleben aus, wenn dieser die Depression überwunden hat und sich gut mit den Themen dahinter auseinander gesetzt, verändert und daraus gelernt hat…

©Nicole Teschner, 2015

Foto-Copyright: WoGi-fotolia

 

Burnout kommt vom Job – oder doch nicht? Ganz so einfach ist es nicht!

Fangen wir vorne an:

Das Burnout-Syndrom ist laut Wikipedia

lassedesignen - fotolia
lassedesignen – fotolia

ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es kann als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt. Das Burnout-Syndrom ist wissenschaftlich nicht als Krankheit anerkannt, sondern gilt im ICD-10 als ein Problem der Lebensbewältigung. Es handelt sich um eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung bei der Lebensbewältigung. Diese wird meist durch Stress ausgelöst, der wegen der verminderten Belastbarkeit nicht bewältigt werden kann.

Einst wurde das Auftreten eines Burnout-Syndroms rein arbeitsabhängig verstanden (und auch ursächlich durch die Arbeit). Inzwischen sind allerdings die Kontexte erweitert worden und es wird allgemeiner vom Zustand mit reduzierter Leistungsfähigkeit aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung gesprochen – denn Zustände mit emotionaler Erschöpfung und reduzierter Leistungsfähigkeit finden sich auch inzwischen bei Schülern, Hausfrauen, Langzeit-Arbeitssuchenden, Menschen, die sich im Privatleben beispielsweise durch Intensiv-Pflege von kranken Angehörigen erschöpfen und auch vielen anderen, die sich körperlich und emotional verausgaben und erschöpfen. Allerdings werden derartige Zustände natürlich immer noch schneller offensichtlich, wenn ein Mensch durch die reduzierte Leistungsfähigkeit eine Krankschreibung und einen Ausstieg aus dem Berufsleben benötigt – und dann auch eher akzeptiert!

Aufgrund der einstigen Beobachtung des Entdeckers des Syndroms im Arbeitskontext (Herbert Freudenberger, 1974) hält sich auch noch hartnäckig der Glaube, dass Menschen mit dem Testat ‚Burnout‘ halt einfach zuviel in Ihrem Job (mit anfänglicher Begeisterung und Über-Idealismus und anschließender zunehmender Frustration) geleistet haben und somit einzig ‚der Job schuld‘ am Auftreten des Burnouts ist… Gerne wird sich deswegen auch erst einmal der ‚Verdienstorden‘ bei der Diagnose ‚Burnout‘ angeheftet – und nichts verändert, außer ‚mal auszusteigen‘ – was aber nichts nützt (siehe unten)!

Denn ein Burnout-Syndrom kommt niemals nur vom Job allein!

Wenn man bei Menschen mit ‚wasch-echten‘ Burnout-Syndromen nach den Ursachen forscht, dann wird sehr schnell deutlich, dass sicherlich ca. 20% des Syndroms durch die ausgeübte Beschäftigung(sstruktur) mitverursacht wurden – aber 80% der Ursachen in begünstigenden Persönlichkeits- und Verhaltensmustern und vorangegangenen Erfahrungen oder Traumatisierungen oder einer persönlichen Verletzlichkeit und Anfälligkeit (Vulnerabilität) zu finden und zu verändern sind – (ArbeitgeberInnen aufgepasst: was gleichzeitig trotzdem bedeutet, dass Sie sich wegen Ihrer Mit-Beteiligung unbedingt ihrer Mit-Verantwortung stellen und handeln müssen!)

Dass dieses Prinzip – ein Burnout kommt nicht nur vom Job allein – zutreffend ist, lässt sich ganz einfach daran belegen, dass manche Kollegen mit demselben Job und denselben Arbeitsanforderungen ein Burnout-Syndrom entwickeln und andere eben nicht (die halt weniger oder keine begünstigenden Vorerfahrungen und Persönlichkeits- und Verhaltensmuster haben). Somit gibt es immer über die Arbeit hinaus reichende zusätzliche Ursachen, die die Zuspitzung in Richtung ‚Burnout‘ bei Betroffenen überhaupt ermöglichen.

Das mag nun für manche frustrierend zu lesen sein, da es doch ohne persönliche Ursachen reichen würde, den Job zu ändern, um ein erlittenes Burnout-Syndrom zu beenden und nachhaltig zu verhindern…(was nicht gelingt, wenn nicht an den persönlichen Ursachen gearbeitet wird: dann wartet im nächsten Job nämlich ruckzuck die nächste Erschöpfungskrise, weil ’schon wieder‘ der eigene Körper und die eigene Psyche übergangen wurden…)

Doch auch wenn es Sie nun wurmt zu lesen, dass Sie sich zusätzlich ‚selbst anschauen und verändern müssen‘: möchten Sie, dass ich Ihnen lieber Sand in die Augen streue und sage: ‚wechseln Sie Ihren Job und alles ist prima und hübsch‘ (und der nächsten ‚Burnout-Katastrophe‘ entgegenschippern) oder möchten Sie die Wahrheit und damit lieber dauerhaft vor Wiederholung geschützt werden?

Ich denke, ich liege richtig, dass Sie sich – wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind (!) – für die zweite Möglichkeit entscheiden werden und sich lieber Ihrem kompletten Ursachen-Spektrum stellen möchten als immer und immer wieder dasselbe nochmal durchmachen zu müssen!

Denn nebenbei bemerkt: ein Burnout-Syndrom ist nur in den Anfangsphasen ein ‚Problem in der Lebensbewältigung‘. Dieses kann sich aber sehr schnell bei weiterem ‚Aushalten-Durchhalten-Klappe halten‘ zu einem massiv einschneidenden psychiatrischen Symptombild mit gravierenden Störungen und Verhaltensänderungen entwickeln, welches sich bei noch weiterem ‚Durchhalten‘  nicht selten bis hin zur latenten Suizidalität oder handfesten psychotischen Entgleisungen entwickeln kann – was dann übrigens auch in die Hände von Profis gehört und nicht mehr mit einfacher Lebensberatung oder einem Coaching abzuhaken ist – hier ist ärztliche Kontrolle und eine gute Psychotherapie nötig!

Also: Augen auf – hinschauen wollen – ehrlich mit sich selbst sein – bearbeiten – sich ändern – wieder aufstehen – vielleicht dann doch noch den Job wechseln und sich was passenderes suchen – und gesünder weiterlaufen!

©Nicole Teschner, 2015

Foto-Copyright: lassedesignen-fotolia

Es ist soweit: das Burnout-Special kommt!

lassedesignen-fotolia
lassedesignen-fotolia

Es ist endlich soweit: mein Burnout-Special folgt in den nächsten Wochen auf diesem Blog und ist gerade hoch-akut in der Entstehung!

Angefangen mit meiner Sicht auf die allseits herrschenden Kontroversen, ob denn nun Burnout tatsächlich vom Job kommt oder nicht und ob ein Burnout nur eine verkappte Depression ist oder nicht, möchte ich anschließend einen intensiven Einblick in die beruflichen und auch persönlichen Ursachen geben, die zum Burnout führen: ich werde über die wichtigsten beruflichen Energiekiller schreiben und über die – für mich deutlich bedeutenderen – apokalyptischen Reiter des Burnout.

Ebenso möchte ich mich auch der Burnout-Entstehung widmen – allerdings nur in Kurzform, da unheimlich viele Modelle bereits nieder geschrieben wurden und darüber inzwischen viel bekannt geworden ist.

Was mir weiterhin ein großes, wichtiges Anliegen sein wird, ist eine Übersicht über das Symptomspektrum zu geben und aufzuklären, was ein Burnout ist und was nicht. Denn inzwischen wird der Begriff ‚Burnout‘ doch sehr inflationär verwendet. Manchmal ist es richtig, manchmal aber auch nicht – hier möchte ich noch ein wenig mehr Klarheit schaffen!

Abschließend noch eine Betrachtung anhand der Arbeiten des von mir sehr bewunderten Aaron Antonovsky, der die Suche nach den Ursachen für Gesundheit (und in der Umkehr für Krankheit und auch drohendem Burnout) sehr einfach auf den Punkt gebracht hat. Lassen Sie sich überraschen und stellen Sie sich dann selbst auf die Probe, ob Sie dort richtig sind, wo Sie aktuell Ihre Brötchen jagen!

Sollten Sie hin und wieder selbst einmal darüber nachgedacht haben, ob Sie ein Burnout-Kandidat sind: ich verspreche Ihnen, Sie werden sich in dem Falle an der einen oder anderen Stelle garantiert wieder finden!

Ich freue mich also schon auf die einzelnen Veröffentlichungen und über Ihr fleißiges Mitlesen!

©Nicole Teschner, 2015

Foto-Copyright: lassedesignen, fotolia

Der wohl gewichtigste Grund, warum Stigmatisierung unterbleiben sollte

copyright: joef – fotolia

Suizide sind ein schwieriges Thema.

Leider suizidieren sich weltweit immer noch zu viele Menschen. Für Hinterbliebene ist jeder Suizid sehr belastend. Denn immer bleibt neben der entstandenen Lücke durch das Fehlen des verstorbenen Menschen auch die Frage nach dem ‚warum hat er/sie das getan?‘ zurück.

Manchmal suizidieren sich Menschen, ohne dass das Umfeld vorher Hinweise bekommt, die ein Eingreifen und Hilfestellung vielleicht noch möglich gemacht hätte. Hier kommt dann zu der Frage nach dem ‚warum‘  auch noch die belastende Frage nach dem: ‚Warum hat er/sie nichts gesagt? Ich  hätte doch helfen wollen/können!‘ hinzu.

Sicherlich haben Suizidenten ganz verschiedene Motive, warum sie sich das Leben nehmen und auf welche Art und Weise sie das tun. Und manche Suizidenten planen ihren Suizid absichtlich so, dass das Umfeld vorher keine Hinweise auf ihre Absichten bekommt –eben damit niemand sie davon abhalten kann.

Doch es gibt auch Suizidenten, die vorher Hinweise geben: Oft ‚nur leise‘, am Rande, unauffällig:

Wenn wir überlegen, warum dies wohl ‚nur leise‘, ‚am Rande‘, ‚unauffällig‘, ‚zaghaft‘ geschieht, finden wir sicherlich auch wieder verschiedene Motive:

Manchmal reicht vielleicht die Kraft bei diesen Menschen einfach nicht mehr aus, um ‚lauter‘ auf ihre drängenden Probleme aufmerksam zu machen. Manchmal könnte es so sein, dass sie sich von ihren schüchternen oder nur noch schwachen Hilferufen sowieso keine Hilfe mehr erhoffen, weil sie in der Vergangenheit genau diese Erfahrung gemacht und inzwischen resigniert haben….

Doch manchmal könnte es auch so sein, dass dieses ‚nur leise Hinweise geben‘ deswegen ‚leise‘ geschieht, weil die Suizidgefährdeten ‚Angst vor Zurückweisung‘, vor ‚belächelt-werden‘, vor ‚sowieso nicht ernst-genommen werden‘ haben…und um ihre eh schon als sehr verfahren erlebte Lage durch die befürchtete Gleichgültigkeit/das  Unverständnis von Mitmenschen nicht noch schlimmer zu machen, versuchen sie eben nur ganz vorsichtig – eben leise! – auf ihre Lage und ihre Verzweifelung aufmerksam zu machen…

Was wäre wohl, wenn wir diesen Menschen – wie klein oder wie groß dieser Anteil auch immer sein mag – das Vertrauen geben könnten, nicht belächelt, nicht stigmatisiert und nicht abgewiesen, sondern ernst genommen und verstanden zu werden, sodass sie ihre Absichten ‚lauter‘ äußern könnten, um Hilfe zu bekommen?

Wie viele Suizide könnten wir in Zukunft wohl einfach dadurch verhindern, dass wir einen allgemein akzeptierten und verstandenen und hilfreichen Boden für psychisch Notleidende bieten?

Dies ist der wohl gewichtigste Grund, warum es absolut notwendig ist, jeden Menschen mit psychischen Erkrankungen und Symptomen ernst zu nehmen und zu verstehen und endlich die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen zu beenden! Abwertende Bemerkungen sollten stets unterbleiben und ALLE sollten sich bemühen, Betroffenen das Vertrauen zu geben, auch ‚laut‘ auf sich und ihre Probleme aufmerksam machen zu dürfen!

…denn denken Sie immer daran: Sie wissen nie, wer und wie viele ihrer Lieben sich aktuell ebenfalls nicht traut, ‚laut‘ nach Hilfe zu rufen und daher schamhaft schweigt!

©Nicole Teschner, 2015

Fotocopyright: ©joef – fotolia auf photoxpress.com

Wer oder was stresst denn da? Teil II: Cortisol – die Stresswache des Körpers

©drx photoxpress.com
©drx photoxpress.com

Forscher haben einen interessanten Versuch unternommen: Sie haben an Fallschirmspringern kurz vor dem ersten Sprung und an mehreren Zeitpunkten während und nach dem ersten Sprung die Blutwerte von Adrenalin und Cortisol – dem Langzeit-Stress-Hormon – gemessen. Die Testpersonen reagierten erwartungsgemäß mit einem Adrenalinanstieg, bevor Sie springen sollten, währenddessen und auch kurze Zeit noch danach. Doch schon sehr bald nach dem Sprung normalisierten sich die Adrenalinwerte wieder auf ein Normalmaß. Interessant war jedoch bei diesem Versuch, dass die Werte des anderen Stresshormons – Cortisol – erst 30 min nach dem Sprung ihren Höchstwert erreichten und dann noch längere Zeit erhöht blieben, obwohl die ‚Bedrohung‘ schon längst vorbei war.

Dies erscheint paradox und es drängt sich die Frage auf, warum uns die Natur scheinbar mit einem ‚Alarmsystem‘ ausgestattet hat, das viel zu spät reagiert?

Doch kein Merkmal eines Lebewesen bleibt über die Evolution erhalten, wenn es nicht einen Sinn hätte: Und so hat auch die Ausschüttung von Cortisol zwei wichtige Funktionen: Cortisol bewirkt einerseits im Gehirn durch Umbaumaßnahmen, dass die erlebte Stresssituation gespeichert und das Verhalten verändert und angepasst wird (quasi als Memofunktion) und andererseits verändert Cortisol den Körper, damit dieser ab sofort besser auf neuen Stress vorbereitet ist:

  • Dazu verstärkt Cortisol den Abbau körpereigener Eiweiße und Fette, die dann in Glucose (Zucker) umgebaut und das dann im Blut bereitgestellt wird, um genügend Energie im Falle eines erneuten ‚Sympathikus-Alarms‘ zur Verfügung zu haben
  • Glucose, die bereits im Blut vorhanden ist, wird weniger im Gewebe gespeichert, sodass zusätzlich mehr Blutzucker für den nächsten Notfall vorhanden ist
  • das Immunsystem wird durch Cortisol heruntergefahren, um keine Energien für körperliche Abwehrreaktionen zu verschwenden (im Gegensatz dazu erhöht die Sympathikus-Reaktion vorübergehend die Abwehrkräfte!)
  • die Ausschüttung von Cortisol senkt das Fortpflanzungsbedürfnis oder produziert sogar Unfruchtbarkeit, da der Organismus gerade nur für sein eigenes Überleben kämpft
  • der Sauerstofftransport im Körper wird verbessert, indem Cortisol die Bildung von roten Blutkörperchen anregt und gleichzeitig den Blutdruck erhöht
  • und es verbleiben mehr Blutfette im Blut, die zur Not erneut in Zucker umgewandelt werden oder als Reparaturhilfsstoffe bei beschädigtem Gewebe dienen können.

Bleibt der Stress bestehen und die Cortisolwerte anhaltend hoch, führt dies letztendlich zu langfristigen körperlichen Fehl-Veränderungen und Krankheiten:

  • Es kommt zu Gewichtsverlust und gleichzeitig zu einer Zunahme des Heißhungers nach Süßem. Dadurch verliert der Körper einerseits an Gewicht, dieses wird aber durch verstärkte Anlagerung von charakteristischem Bauchfett wieder ausgeglichen. Es kommt außerdem zu einer Fehlsteuerung des Insulin-Haushaltes mit einer möglichen Entwicklung hin zu einem metabolischen Syndrom oder Diabetes.
  • Die erhöhten Cholesterin-Werte im Blut können zu einer Verstopfung der Adern durch Ablagerungen des Blutfettes an den Innenseiten der Gefäßwände führen. Wenn dadurch z.B. ein Herzkranzgefäß verstopft, kommt es zu Symptomen der ‚Herzenge‘ (Angina pectoris), im schlimmsten Fall sogar zu einem Herzinfarkt. Die Entstehung dieser Krankheiten wird außerdem dadurch begünstigt, dass der zu hohe Cortisolspiegel die Entwicklung von Bluthochdruck fördert, der wiederum das Risiko für Herzerkrankungen erhöht.
  • Durch das reduzierte Immunsystem ist ein gestresster Mensch sehr infektanfällig und es kommt zu vielen Banalinfektionen, wie z.B. Schnupfen, Nebenhöhlenentzündungen usw.
  • Darüber hinaus kann die dauerhafte Muskulaturverspannung zu entzündlichen Muskelerkrankungen und in der Folge sogar zu chronischen Schmerzerkrankungen  führen.
  • Der Abbau körpereigener Eiweiße hat ebenso nachhaltige Folgen: es kommt durch den Abbau von Kollagenen zu verstärkter Faltenbildung und durch den ‚Raubbau‘ an Knorpelstrukturen zu Gelenkentzündungen und Bandscheibenvorfällen.
  • Die verschlechterte Kalziumverwertung aufgrund des Cortisols erhöht das Risiko für Osteoporose (‚Witwenbuckel‘).

Neben diesen Reaktionen auf den Körper hat ein erhöhter Cortisolspiegel auch weitreichende Konsequenzen auf das Gehirn. Diese führen zu Verhaltensänderungen und brennen die Stresserfahrung quasi im Gehirn ein. Da diese Reaktionen aufwendiger zu beschreiben sind, widme ich diesen Veränderungen einen eigenen Artikel, der erklären wird, wie anhaltender Stress sogar zu Panikattacken, Gedächtnisstörungen, Burnout und Depressionen führen kann.

Wenn wir uns hier bereits allein die körperlichen Folgen eines anhaltend hohen Cortisolspiegels vergegenwärtigen, dann kann die Quintessenz dieses Artikels schon lauten: Stress ist niemals positiv für den Körper! Stress ist immer eine Notfallreaktion, die sich in massiven körperlichen Veränderungen bemerkbar macht und damit langfristig gefährlich ist (und hier habe ich die psychischen Veränderungen, die zu Panikstörungen, Depressionen und Burnout führen, noch nicht einmal mitberücksichtigt!).

Es ist also eminent wichtig, seine Stressoren in den Griff zu bekommen. Und Stressoren sind nicht nur Situationen, die wir nicht oder nur schlecht kontrollieren können, sondern auch innere Konflikte, Krankheiten, Operationen, Hungerkuren, Angst, Lärm, Sorgen, Schlafmangel, Abendstress, ungünstige Beziehungen, mangelnde Erholungsphasen, dauerhaftes Überschreiten der eigenen Grenzen, Substanzmissbrauch (Drogen, Alkohol, Aufputschmittel, Medikamente), Pflege von Angehörigen usw. Aber auch eher positiv erscheinende Ereignisse, wie ein Wunschumzug, Veränderungen des Lebensstandes oder -standards, eine Beförderung, viel Sport oder Training, ein Kind, ein großer Freundeskreis, ‚Oma zieht ein‘, zu viel Medienkonsum, dauernde Erreichbarkeit etc. können viel Stress und zu einer enorm erhöhten Cortisolausschüttung führen und ebenso sehr krank machen.

Daher ist jeder Stress mit Vorsicht zu genießen und es ist ein weiser Umgang mit all den umgebenden Stressoren gefragt (d.h. auch mit dem sogenannten Eu-Stress). Am besten ist es, möglichst viele Stressoren abzustellen. Wenn dies jedoch nicht möglich ist, bietet sich ein Resilienztraining an, das hilft, besser mit Stress, Krisen und Katastrophen umgehen zu lernen und gelassener und ruhiger zu werden. Dies ist es, was ich als Resilienztrainerin vermittele.

©Nicole Teschner – 2013

Wer oder was stresst denn da? Das Wesen des Stresses Teil I

©AlienCat/photoxpress.com

Um das Wesen des Stresses und seinen ungünstigen Einfluss auf unseren Körper zu verstehen, ist zunächst ein Blick in den Aufbau und die Abschnitte unseres Gehirns notwendig.

Unser Gehirn besteht im Wesentlichen aus drei evolutiven Errungenschaften (Teilbereichen oder Schichten), die sich wie eine Zwiebel übereinander anordnen.

Der älteste Teil in unserem Gehirn ist der Hirnstamm. Die dazugehörigen Strukturen liegen – wie auch der Name schon andeutet – ganz im Inneren des Gehirns und stellen den Übergang zum Rückenmark dar. Er ist quasi unser noch vorhandenes Reptiliengehirn. Dieser Teil vermittelt die Aufrechterhaltung eines gleich bleibenden Stoffwechsels (sodass der Kreislauf funktioniert, die Atmung, der Herzschlag, die Verdauung usw.), die Herstellung des Tag-Nacht-Rhythmus, sowie die Reflexe. Einzig mit einem Hirnstamm ausgestattete Lebewesen können auf massive Bedrohung nur durch Totstellen reagieren und hoffen, dass sie vom Gegner – weil angeblich schon tot und daher ungenießbar – verschont bleiben.

Als Neuerung bildete sich dann das limbische System auf der Stufe der Säugetiere hinzu. Dieses liegt über dem Hirnstamm und unter der ‘Neokortex-Mütze’.

Mit der Entwicklung des limbischen Systems erhielten Säugetiere vor langer Zeit als bahnbrechende Neuerung im Stressgeschehen, dass sie auf Bedrohungen mit Kampf oder Flucht als Bewältigungsversuch reagieren konnten. Daher vermittelt dieser Teil des Gehirns die schnelle Bewertung von Situationen und löst damit im Körper aufgrund des festgestellten Bedrohungsgefühls alle nötigen Reaktionen aus.

Der neueste Teil des Gehirns – der Neocortex – entwickelte sich erst mit den Primaten. Der Neocortex umschließt wie eine Mütze die innenliegenden älteren Gehirnabschnitte. Auf dieser Entwicklungsstufe erhielten Tiere wichtige neue Fähigkeiten zur Abwendung langfristiger, existenzieller Lebensbedrohungen, wie Denken, Imagination, Problemlösung, die Bildung und Pflege sozialer Beziehungen sowie die Möglichkeit für Kommunikation.

Die Alarmanlage des Gehirns: Das limbische System

Nun könnte man denken, dass es evolutiv doch sinnvoll gewesen wäre, dem modernsten Teil des Gehirns – also dem Neokortex – auch alle Aufgaben für die Bewältigung von akutem Stress und akuten Bedrohungen anzuvertrauen. Doch das ist keineswegs so. Denn da der Neokortex enorm komplex aufgebaut ist und auch die Verrechnung sehr komplex ist, ist er im Falle einer direkten Bedrohung – wo es auf Geschwindigkeit ankommt – viel zu langsam.  Anders ausgedrückt: wenn wir eine Bedrohung mit dem Neokortex erst lange durchdenken würden, wären wir eher tot als reagiert zu haben. Für die direkte Abwendung einer unmittelbaren Bedrohung ist somit der Neokortex ungeeignet. Um aber langfristig darüber nachzudenken, wie man solche Bedrohungen umgeht oder nachträglich Schadensbegrenzung betreibt o.ä., ist der Neokortex jedoch perfekt!

Somit ist die Notfallzentrale immer noch auf der Stufe der Säugetiere – also im limbischen System – verblieben. Denn dieses reagiert aufgrund des einfacheren Aufbaus und der direkteren Vernetzung sehr viel schneller und kann den Körper schneller aus der Gefahrenzone bringen. Außerdem befindet sich das limbische System quasi im Zentrum des Gehirns und hat damit Zugang zu allen Teilen des Gehirns (auch zu Hirnstamm und Neorkortex).

Doch es hat seinen Preis, dass das limbische System immer noch mit dem Notfallmanagement betraut ist: durch die Abkürzung zwischen Reiz und Reaktion via limbisches System werden körperliche Reaktionen bei Bedrohungen stets ohne Bewertung unseres höheren, bewussten Verstandes (des Neokortex) ausgelöst. Und das führt zuweilen auch zu ausgelösten Notfall-Reaktionen, wenn keine offensichtlichen Bedrohungen mehr vorhanden sind. Dies passiert z.B. wenn das limbische System  aufgrund nur geringfügiger Ähnlichkeiten mit bereits erlebten, (tatsächlich bedrohlichen) Situationen glaubt, es wäre erneut eine Bedrohung vorhanden. Dann kann es vorkommen, dass der Körper wieder mit Angriff (Aggression) oder Flucht (Angst) – d.h. Stress – reagiert und den Körper in den Alarmzustand versetzt, obwohl es faktisch diesmal keine Bedrohung mehr gibt. Dies kann dann zu Angststörungen oder unangemessenen impulsiven Ausbrüchen oder Stress z.B. aufgrund erlebter, bedrohlicher Kindheitserfahrungen führen.

Wenn das limbische System Alarm schlägt

Wenn das limbische System schließlich zu dem Ergebnis gekommen ist, dass eine bedrohliche Situation vorliegt, sendet es über ein Nervengeflecht Impulse aus, die den gesamten Körper für Angriff- oder Fluchtverhalten vorbereiten. Das Nervengeflecht, dass dieses bewirkt nennt man den Sympathikus (der Name erscheint etwas verwirrend, da uns ja die durch dieses System ausgelösten Reaktionen weniger sympathisch erscheinen. Aber das Endergebnis – nämlich der Schutz unseres Lebens – ist dagegen durchaus sympathisch! Vielleicht erklärt das den Namen ;) ).

Es kommt zur Steigerung von Herzfrequenz (Puls) und Atmung (damit mehr Sauerstoff zur Verfügung steht), die Muskulatur wird angespannt, Glukose-Reserven für den erhöhten Bedarf werden bereitgestellt, die Verdauungsaktivität gesenkt (oder aber Darm und Blase können sich auch schneller entleeren,  um mobiler zu werden) und die Libido wird eingeschränkt (da eine Fortpflanzung aktuell eh unnötig ist, wenn nicht einmal klar ist, ob man es gerade selbst überlebt…).

Gelingt die Abwendung der Bedrohung – ganz gleich durch welche Strategie – wird dieses wieder vom limbischen System registriert und das Gegenspieler-Nervengeflecht, der Parasympathikus wird aktiviert.

Dieses sorgt für Entspannung des Körpers: die Atemfrequenz sinkt, die Muskeln erschlaffen, die Verdauungsfähigkeit nimmt wieder zu, die Libido steigt usw. Auch die Herzfrequenz sinkt wieder, bis wieder ein Ruhezustand eingekehrt ist.

Kurzzeitige Bedrohungen lösen also starke Kampf- oder Fluchtreaktionen aus, haben aber keinen längerfristigen schädlichen Effekt auf den Körper, wenn die Bedrohung durch diese Reaktion abgewendet werden kann. Anders ist es, wenn Bedrohungen nicht abzuwenden sind und das Gefühl der Bedrohung anhält. Dann kommt es zur Aktivierung einer Langzeit-Stress-Reaktion. Diese und die Wirkungen auf den Körper werde ich im Folge-Artikel beschreiben.

©Nicole Teschner – 2013