Verlorene Kindheit: Wenn Narzissten Kinder kriegen

Ich möchte hier eine Persönlichkeitsstörung aufgreifen, die unter normalen Umständen fast gar nicht zu entlarven ist und für Außenstehende auch mehr oder weniger normal erscheint: Mit-Betroffene spüren zwar, dass das Gegenüber (Vater, Mutter oder Partner) sie förmlich auszusaugen scheint, sie lähmt und es ihnen psychisch immer schlechter geht, doch sie können in keinster Weise beschreiben, warum dies so ist oder was schief läuft oder warum ihr Leiden immer stärker wird.

Denn viel zu schlau und ausgesprochen subtil agieren Menschen mit narzisstisch gestörter Persönlichkeit (NPS, hier weiterhin nur noch als Narzissten bezeichnet) und hinterlassen für gewöhnlich in all ihren Wirkungskreisen ‚tatsächliche oder lebende Leichen‘ (nach Marie-France Hirigoyen).

Das Schwierige daran ist, dass diese Persönlichkeitsstörung im Alltag nur sehr schwer zu erkennen ist. Menschen, die diese Störung haben, werden dies den Rest ihres Lebens meist nicht als Störung oder gar problematisch wahrnehmen: Sie sind ja ‚das Maß aller Dinge und unfehlbar‘ und ‚genau richtig bei all dem, was sie tun‘, denn dies ist bereits Teil ihrer Störung.

Sie suchen sich ein Opfer aus, beobachten es und verführen es regelrecht dazu, sich ihnen zu nähern.

Sie ziehen es in ihren Bann, verleiben es sich Stück für Stück  ein, indem sie es abhängig machen, und fangen an, es systematisch zu zerstören: immer soweit, dass sie sich dadurch ihre eigene Mächtigkeit und Überlegenheit vor Augen führen können. Genau dieses ‚Verführen und emotionale Schmerzen hinzufügen‘ kann sehr lange dauern – sogar Jahre. Oft wählt der Narzisst sogar Opfer, die ihm überlegen sind, damit die Herausforderung der Erniedrigung einen ‚besonderen Kick‘ gegen den eigenen schwachen Selbstwert gibt.

Der Narzisst spielt sein ‚psychologisch-sadistisches Spiel‘, um seine eigene Mächtigkeit vor sich selbst zu demonstrieren.

Insgesamt ist sein ganzes Verhalten und Tun darauf ausgelegt, sich selbst zu beweisen, dass ‚seine eigene Minderwertigkeit‘ nicht der Realität entspricht. Deswegen inszeniert er sich gerne auf jeder Plattform, in jeder Beziehung und zu allen Zeiten selbstherrlich und großartig (doch Vorsicht: narzisstische Züge zu haben oder eine NPS sind verschiedene Dinge!).

Der Narzisst muss immer Mittelpunkt des aktuellen Geschehens sein, er beherrscht das Gespräch (oft auch mit Charme, Witz und Verführung) und verdrängt jeden, der seinem Mittelpunkt gefährlich werden könnte. Sehr kennzeichnend ist es, dass Narzissten keinerlei Empathie haben – und damit das Risiko von Mitleid. So ist es eine konsequente Folge, dass ein Narzisst keine Regung in sich verspürt, sich selbst verändern zu müssen, da er zwischenmenschlich keinerlei Probleme wahrnimmt. Sie werden Narzissten auch in den seltesten Fällen in einer Therapie o.ä. finden.

Narzissten sind Meister der Tarnung. Sie erniedrigen ihre Opfer gerne im Stillen in der vertrauten Zweisamkeit.

Ganz gleich was das Opfer unternimmt: es wird durch den Narzissten auf geschickte und verwirrende Art und Weise immer wieder zum Verlierer gemacht…

Im Erwachsenenalter ist das Durchleben einer Beziehung mit einem Narzissten bereits sehr schädigend. Mehr als tragisch verhält es sich dagegen, wenn Narzissten Kinder kriegen:

Denn Narzissten werden keinen Halt vor Kindern machen und diese ebenso für ihr perfides ‚Spiel‘ missbrauchen. Das Ergebnis sind Erwachsene, die sich irgendwann fragen, was ’schief‘ gelaufen ist, aber überhaupt nicht zuordnen können, was genau. Und diese Menschen benötigen dann fundierte Unterstüzung, um solche Erfahrungen verarbeiten zu können.

Denn Narzissten sind wie Falschfahrer auf der Autobahn: sie sind tatsächlich felsenfest davon überzeugt, dass sich alle anderen in der Fahrtrichtung geirrt haben, nur sie nicht – und sie verstehen es, die anderen davon zu überzeugen!

Nicole Teschner – 2013

Bild: © Lane Erickson – Fotolia.com

Einführung ‚Verlorene Kindheit‘

Negative Kindheitserfahrungen mit enorm stressenden oder gar traumatischen Ereignissen haben einen starken Einfluss auf die hirnchemische und neuronale Entwicklung des kindlichen Gehirns.

Das Gehirn nimmt durch traumatische Kindheitserlebnisse strukturelle Veränderungen vor und bildet dadurch ein Stressgedächtnis.  Und dies führt zu einem erhöhten Risiko, später stressbedingte Erkrankungen zu bilden oder eben in einen Burnout zu geraten. Auch verdrängte Erfahrungen und/oder Gefühle haben oft Einfluss.

Was meine ich, wenn ich hier von ‚verlorene Kindheit‘ spreche?

Ich meine damit all die Ereignisse, Umstände, Begebenheiten in Ihrer Kindheit, die Sie rückblickend immer noch betroffen und traurig machen. Dies könnten z.B. sein

  • Psychische Gewalt durch Bindungspersonen
  • schwierig erlebte Einzelereignisse, z.B. der erste Tag alleine in Kinderhort oder Schule, allein im Krankenhaus bleiben zu müssen, Hänseleien, schwierige Eltern- oder Bezugspersonen-Beziehungen, ein Unfallereignis…
  • Armut und deren Folgen, Co-Abhängigkeiten, prägende Familienbeziehungen…
  • einfach die Umstände, Suchterkrankungen der Familienangehörigen…
  • usw.

Ich möchte Sie mit der Serie ‚verlorene Kindheit‘ sensibilisieren für das, was eventuell noch unerlöst und ‚ungefühlt‘ als Kindheitsschmerz in Ihnen schlummert und Ursache für heutige Probleme sein könnte.

Ich möchte Ihnen ‚Aha‘-Erlebnisse bescheren, damit Sie erkennen können‚ wann etwas ’schief gelaufen sein könnte‘ oder was Ihnen noch gar nicht bewusst war. Ich möchte, dass Sie Hinweise bekommen, wo die eigentliche Ursache für aktuelle Probleme sein könnte und warum Sie dadurch heute weitreichende körperliche oder psychische Schwierigkeiten haben könnten.

Und für manche Ereignisse benötigen Sie professionelle Begleitung und das sollten Sie bitte sehr ernst nehmen!

Sollten Sie gerade in einer schwierigen Situation stecken (Trennung, Arbeitsverlust, wirtschaftliche Probleme, Verlusterfahrungen etc.), sollten Sie warten, bis Sie körperlich und geistig und von den Umständen her soweit stabil sind, dass Sie in der Lage sind, solche Themen zu bearbeiten. Wenn es nun so lange in Ihnen geschlummert hat, dann darf es auch noch so lange weiter schlummern, bis Sie fit für eine Aufarbeitung sind.

©Nicole Teschner – 2013

Bild: ©Laurent Challencin photoxpress.com

Start ‚Verlorene Kindheit‘

verlorene KindheitViele Probleme, die Menschen im Erwachsenenleben haben, beginnen in der Kindheit. Diese entstehen häufig als Folge einer dadurch bedingten erhöhten Stressanfälligkeit aufgrund schwieriger Kindheitsereignisse oder auch der Verdrängung von Kindheitsthemen, -traumen oder -gefühlen.

Daher habe ich mich dazu entschlossen, in der nächsten Zeit eine Serie von Artikeln zu veröffentlichen, die hilfreich für Personen sind, die unter ‚besonderen‘ Umständen aufgewachsen sind.

Zunächst ist mir jedoch wichtig zu sagen:

  1. es gibt faktisch keine Eltern, die alles richtig machen in der Erziehung und auch keine Erwachsenen, die nicht irgendetwas nennen könnten, was weniger vorteilhaft in ihrer Erziehung gelaufen ist.
  2. Es ist schlimm, was manchen Kindern widerfährt und dass sie davon bis ins Erwachsenenalter belastet bleiben. Vieles ist sicher sehr zu verurteilen. Doch wir dürfen dabei niemals vergessen, dass in vielen Fällen oft auch die Eltern ähnliche Negativerfahrungen als Prägung in Ihrer Kindheit erlebt haben und das manches über Generationen hinweg – unerlöst – weitergegeben (weitergelebt) wird. Das entschuldigt nichts, ich weiß. Aber erklärt zumindest ein wenig, warum es so war wie es war und trägt vielleicht irgendwann ein bisschen dazu bei, nachträglich mehr Frieden mit der Gesamtsituation zu finden.

Es soll mir hier um Familien- und Persönlichkeitsmuster gehen, die langfristig schädlichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinderpsyche haben und die manchem ein Stück (oder vollständig) die glückliche Kindheit geraubt haben.

Sehr wichtig sind Schwierigkeiten, die Trauma und Vernachlässigung bei Kindern auslösen, körperliche und sexuelle Gewalt und es sind auch sehr viele, sehr gute Bücher zu diesen Themen erschienen. Daher folgen hier von meiner Seite noch Buch- und Linktipps zum Weiterlesen.

Ich möchte auch auf Muster und ‚pädagogische‘ Strukturen eingehen, über die Betroffene im allgemeinen immer noch schamhaft schweigen oder deren Destruktivität einem Betroffenen überhaupt noch nicht bewusst geworden sind.

Ich möchte Sie mit dieser Serie zum Nachdenken, zum Nachlesen,  zur Selbstreflexion,  zum Bewusstmachen anregen. Vielleicht kann ich dadurch einen Stein für Sie ins Rollen bringen, der von Ihrer Gegenwartsproblematik eine Brücke zurück zu Ihrer Kindheit schlägt und dadurch ein fehlendes Puzzleteil in Ihrem Genesungsprozess liefert. (Wenn Sie bei einem der Themen Hilfe benötigen, kann ich Sie durch ein Coaching wirksam unterstützen. Gerne können Sie mir eine Anfrage zu Ihrer Thematik schicken!)

Ich möchte Sie hier auch auf andere andere Seiten im Internet hinweisen und hilfreiche Bücher vorschlagen.

Los geht es mit der Einführung. Danach wird sich der Bogen spannen über die Themenkomplexe

  • Narzissmus und psychische Gewalt
  • Die Folgen körperlicher Gewalt/Bestrafungen
  • Traumabearbeitung
  • Abschluss der Serie

Unter dem Menüpunkt ‚verlorene Kindheit‘ werden Sie fortan diesen Text und die Links zu den einzelnen Artikeln gesammelt aufrufen können.

©Nicole Teschner – 2013

Foto: ©Terry McClean – Photoexpress.com

Der kleine Alltagsoptimist

HedgehogWir haben täglich viele Dinge, für die wir dankbar sein können. Sie glauben mir nicht?

Sie können laufen? Was wäre, wenn sie es plötzlich nicht mehr könnten?

Sie können atmen? Was wäre, wenn sie es nicht mehr könnten?

Sie können den Text lesen? Wie wäre es, wenn sie es nicht mehr könnten?relocine nschet

Vielleicht werden sie jetzt sagen: ‚ja, aber das ist doch normal! Das können doch viele…warum sollte ich dafür dankbar sein?“

Ich kann Ihnen diese Frage schnell beantworten:

Fragen Sie doch mal einen Gelähmten, ob Laufen normal ist? Und fragen Sie jemanden, der nur noch sehr schlecht Luft bekommt, ob es normal ist zu atmen? Oder den Blinden, wie gerne er ihnen nun über die Schulter schauen würde, um den Text zu lesen? Wie normal wäre es dann für sie, was wir täglich alles genießen können?relocine nschet

Wir alle vergessen dankbar zu sein und uns darüber zu freuen, was bereits gut (normal?) ist. Erst wenn es plötzlich nicht mehr ’normal‘ ist, wird uns bewusst, wie gut wir es hatten. Und auch wenn es gerade schwierig ist und nicht so läuft, wie wir es uns wünschen würden: wieviel haben wir trotzdem, das gut für uns ist, was uns gut tun kann, worauf wir einfach nur mehr bewusst achten müssten, um unser Gehirn in eine andere Balance zu bringen – jeden Tag?

Jede Emotion hat einen Einfluss auf unseren Körper. Positive beeinflussen den Körper und das Wohlbefinden positiv – negative eben negativ. D.h. allein durch die Veränderung des Blickwinkels können Sie sich sehr viel positiver stimmen und längerfristig Ihr Körpergefühl damit verbessern.

Resiliente Menschen haben die Fähigkeit realistisch optimistisch in die Welt zu blicken. Diese Fähigkeit ist eine der Fähigkeit, die benötigt werden, um selbst resilienter zu werden. Dies ist eine Fähigkeit, die Sie in einem Resilienztraining erlernen können.

©Nicole Teschner – 2012

Die Macht des Vergleichs

Für den, der nie viel hatte, fühlt sich ‚ein bisschen‘ an, wie der Einzug ins gelobte Land.relocine nschet

Für den, der immer viel hatte, fühlt sich ‚ein bisschen‘ an, wie eine unverschämte Frechheit des Lebens.

(Eigenzitat)

Vergleiche können förderlich oder schädlich sein: Die erste Art zu vergleichen, erzeugt Dankbarkeit und positive Gefühle. Die zweite Art zu vergleichen, erzeugt Trauer und Wut – und damit Stress.

Wie vergleichen Sie für gewöhnlich?

©Nicole Teschner – 2012

Stresssymptome zu Wort kommen lassen

Wenn unser Körper längere Zeit chronischem Stress ausgesetzt ist, wird über das Stressantwort-System unseres Körpers (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse-System) verstärkt das Hormon Kortisol ausgeschüttet. Kortisol hat auf den Körper zahlreiche Wirkungen. U. a. steigt der Blutdruck, es kommt zu Verspannungen, das Immunsystem wird gehemmt usw. Dies führt zu zahlreichen Stress-bedingten Symptomen, wie verstopfte Nase, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Kopfschmerzen, Nackendruck, Engegefühle in der Brust, Herzstolpern, Hauterkrankungen und weitere.relocine nschet

Es ist sehr wichtig, länger anhaltende Beschwerden medizinisch abklären zu lassen, um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen und auch vorzubeugen.

Bitte nehmen Sie die Abklärung sehr ernst – insbesondere bei Enge in der Brust, Herzschmerzen, Atemnot, Schwindel, Sensibilitätsstörungen, anhaltenden Magen-Darm-Schwierigkeiten, starken Blutdruckproblemen usw.!

Wenn nun aber Ihr Arzt alle nötigen Untersuchungen abgeschlossen hat und keinen Befund hinter den Symtomen finden konnte (oder sogar mehrere verschiedene Ärzte keinen Befund gefunden haben), liegt oft die Vermutung nahe, dass die Beschwerden auf zu hohem Stress/Belastungen zurückzuführen sind.relocine nschet

Und dann stehen Sie vor der Herausforderung, wie Sie besser damit umgehen können – und vor allem herauszufinden, was genau ist es, was Sie so stresst oder belastet.

©Nicole Teschner – 2012

Mehr Miteinander, mehr Füreinander

padre e figlio si tengono le maniBurnout-Coach und Resilienztrainerin zu sein ist für mich eine Geisteshaltung: und natürlich verdiene ich auch mein Geld damit. Doch immer mehr kommt es auch darauf an, in der Gemeinschaft etwas zu bewegen:

Ein Punkt, der immer mehr Menschen in den Burnout treibt, ist fehlendes Miteinander und/oder Füreinander

Der Single-Anteil wird immer größer und Kontakte, die sonst per Telefon oder persönlich erlebt wurden, finden heute mehr und mehr über das Internet statt. In der Berufswelt ist Mobbing der neue Volkssport, es werden immer mehr die Ellbogen-ausgefahren, erschlichene Konzepte werden als die eigenen verkauft, nach unten und anderen getreten, was das Zeug hält, betrogen und, und, und – und das oft nur, um sich selbst (oft sogar nur finanziell!) aufzuwerten und den anderen ab. Das Ergebnis sind steigende Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den Arbeitsmarktstatistiken, die nicht selten auf solche Vorfälle zurückzuführen sind.relocine nschet

Da ich als Resilienztrainerin quasi Berufsoptimist bin, suche ich trotz allem auch die positive Seite der Medaille:

Und das Gute an dieser Entwicklung ist, das immer mehr Menschen ein ‘neues’ Bedürfnis entwickeln: eben nicht mehr so weiter zu machen, auszusteigen, es besser zu machen, die eigene Ruhe zu finden. Sie steigen aus den Grabenkämpfen aus, weil ihnen ihre eigene Gesundheit und Zufriedenheit immer wichtiger werden. Und das manchmal sogar trotz finanzieller Rückschritte.

Ich finde diese Entwicklung gut. Wir werden in Zukunft immer mehr Miteinander und Füreinander brauchen, um wieder Halt zu bekommen. Denn in Zeiten, wo der äußere Halt immer mehr verloren geht, wo alles möglich ist und das Lebenstempo ungeahnte Formen erreicht, brauchen wir innere Stabilität und soliden äußeren Rückhalt (in Form von ehrlichen und verlässlichen Beziehungen).

©Nicole Teschner – 2012